Visual Studio 2012 RC – ein schneller Blick

Heute erreichte mich die frohe Botschaft über die Verfügbarkeit des Release Candidate zum neuen Visual Studio. Es heißt nun offiziell Visual Studio 2012, ist u.a. auch in Deutsch verfügbar, wurde sogleich durch mich herunter geladen und wird nun installiert und getestet.

Webcast

Download und Installation

Jeder kann am RC-Programm teilnehmen und Setups für Visual Studio und TFS beziehen (Download bei Microsoft). Ich selbst benutze ein ca. 1,54 GB großes ISO-Image für die Ultimate-Version in Englisch.

Wie ich bereits an anderen Stellen kritisch angemerkt habe, ist Windows 8 in der aktuellen Version nicht gerade meine Lieblings-Software und daher installiere ich mein VS in einer VmWare mit Windows 7 Ultimate x64 (Deutsch). Die VM bekommt von mir 8 GB RAM und 4 logische Kerne zugewiesen. Außerdem gebe ich ihr 40 GB Festplatten-Platz.

Es gibt noch einen Grund, erstmal auf die Windows 8-Version zu verzichten, da es dort Probleme mit dem IISExpress 7 unter MVC-Applikationen gibt. Ein Workaround soll sein, IIS 8 nachzuinstallieren. Ich werde genau das nicht tun, sondern auf einem frischen Windows 7 testen. Sobald Windows 8 RC steht, reden wir neu.

Kleine Randbemerkung: Da ich eine Windows-7-VM brauche, habe ich eine ältere Maschine aktiviert und auf einen frühren Snapshot zurück gesetzt. Die Umgebung soll schließlich frisch sein. Ich kann nur sagen: Herzlichen Glückwunsch! Über 100 Updates für Windows müssen erstmal durch die Leitung gedrückt und eingespielt werden. Und das, wenn man endlich loslegen will!!! So werde ich wohl nie einer der ersten Blogger werden :-(!

Das Setup orientiert sich nicht weiter überraschend komplett an Metro inkl. bereits eingabauter Übergänge zwischen den einzelnen Steps. Es gibt insgesamt 5 Schritte. Als Auswahl bei den Optionen stehen in der Ultimate folgende Features optional bereit:

  • Blend für Visual Studio
  • Microsoft Foundation Classes for C++
  • Microsoft Office Developer Tools
  • Microsoft Sharepoint Developer Tools
  • Silverlight Development Kits
  • Visual Studio Lightswitch
  • Web Developer-Tools

Das Setup selbst brauchte bei mir ca. 20 Minuten und belegt insgesamt  37 GB auf meiner dedizierten Platte (wahrscheinlich noch mehr auf dem System).

In guter alter Tradition hier noch ein Screenshot des „Programs and Features“-Fenster von Windows nach der Installation:

Abb. 1: Programme und Funktionen nach der Installation

Erste Schritte

Das Fenster für die Auswahl des Studio-Typs ist immer noch das gleiche geblieben:

Abb. 2: Auswahl der VS-Grundeinstellungen

und nach dem ersten Start könnte man meinen, man wäre in einer Art verschönerter Developer Preview:

Abb. 3: VS 2012 nach dem ersten Start

Die Toolbox wurde eingedeutscht und heißt nun „Werkzeugkasten“ (lol), der ToDo-Bereich hat eine absetzende Farbe bekommen und die altbekannte Start-Seite wurde erheblich aufgeräumt. Ja, der Metro-Style hat auch seine guten Seiten.

Der VS-Standard-User-Ordner hat ein paar mehr Einträge als zuvor:

Abb. 4: User-Ordner

Was Start-Pages sind, weiß ich noch nicht genau. Hier nun noch das Startmenu:

Abb. 5: Windows-Startmenu

Optik

Wie bereits in einschlägigen Quellen angekündigt, hat das Designteam ein wenig an den Farben der Pre-Release gefeilt. Das Layout ist nun ein wenig heller und es gibt wieder Farben! Zuerst fällt einem das vor allem im Fenster für neue Projekte auf. Hier wird sehr dezent mit Farben gearbeitet. C#-Projekte sind beispielsweise wie gewohnt mit einem grünen „C#“ gekenzzeichnet:

Abb. 6: Projektvorlagen mit farblicher Hervorhebung

Vor allem im Solution Explorer wurden ein paar Tupfer in das vormals komplette Grau eingestreut:

Abb. 7: Farbige Hervorhebung im Solution Explorer

Auch IntelliSense bekennt Farbe (das komische Symbol im Screenshot stammt von VmWare, also bitte ignorieren):

Abb. 8: IntelliSense

Ein weiteres optisches Feature ist, dass sich die Statusbar des VS nun farblich verändert, wenn das Studio seinen Status ändert. Stati sind beispielsweise der Entwurfs- und der Debug-Modus. Im Normalfall wird eine blaue Statusleiste dargestellt. Befindet man sich im Debug, wechselt die Farbe auf Orange.

Projektmappen

Ein erster Blick gilt fast immer den Eigenschaften von Projektmappen. Hier muss man natürlich eigentlich zwischen den Projekttypen unterscheiden, aber einige Auffälligkeiten möchte ich doch queerbeet aufzählen:

  • Im Tab „Erstellen“ findet man nun eine Checkbox „32-bit bevorzugen“. Diese ist auf meiner Maschine per default angehakt (AnyCPU ausgewählt).
  • Im Tab „Veröffentlichen“ (Publish) wurde m.E. ein wenig mit der Eindeutschung übertrieben. Der Veröffentlichungs-Ordner heißt nun per default „veröffentlichen\“, was wohl kaum sinnvoll sein wird.
  • Es gibt neue Codeanalyseregeln

    Abb. 9: Codeanalyse-Regeln

Features angekrazt

Ich glaube, es wäre ein wenig vermessen, bereits in diesem ersten Überblick alle Neuigkeiten erwischen zu wollen. Ich gehe daher einfach so vor, dass ich den geneigten Leser an meinen Erkundungen teilhaben lasse. Der Vorteil könnte der sein, dass ich ein paar Highlights heraus picke, die andere Artikel womöglich ausgelassen haben.

SQL-Server-Objekt-Explorer

Bereits beim ersten Start war mir das eigenständige „SQL“-Menu aufgefallen. Öffnet man es, findet man einen Eintrag „SQL Server hinzufügen“. Nach einem Klick darauf öffnet sich der altbekannte Verbindungs-Dialog. Wird dieser erfolgreich mit „OK“ geschlossen, bleibt Visual Studio erstaunlich gelassen. Es passiert nichts. Aus Erfahrung weiß ich natürlich, dass man sofort im „Ansichts“-Menu nachsehen sollte und tatsächlich: Ein Klick auf „SQL-Server-Objekt-Explorer“ öffnet nun die folgendes Tool-Window:

Abb. 10: SQL Server Explorer

Das ist prinzipiell natürlich erstmal auch heute schon teilweise vorhanden (Server Explorer) allerdings nicht dediziert für SQL Server. Der Vorteil liegt auf der Hand: dadurch, dass man jetzt quasi das Management Studio in VS hat, kann man neue Datenbanken und andere Objekte viel intuitiver anlegen. Das Management Studio braucht also eigentlich gar nicht mehr installiert zu werden, wenn man Developer ist. Sieht man sich beispielsweise die Eigenschaften eines Server-Eintrages an, erkennt man, dass nun wirklich die physischen Eigenschaften der Instanz in VS angezeigt werden und nicht mehr die Parameter eines Connection-Strings. Super Sache.

Team Explorer

Auch der Team-Explorer kommt in neuen Kleidern daher. Vor allem die Symboliken haben sich teilweise stark geändert, wie man beispielsweise am Solution Explorer mit einem Team-Projekt erkennt:

Abb. 11: Solution Explorer mit Teamprojekt

Im dazugehörigen Team-Explorer-Bereich „Ausstehende Änderungen“ (Pending Changes) erkennt man die neue (für mich sehr gelungene) Arbeitsweise für wenige Klicks:

Abb. 12: Ausstehende Änderungen

Übrigens dient die neue Art und Weise, mit der der Team Explorer zu Werke geht nicht nur der Übersicht und leichteren Bedienung. Ein für mich gravierender Vorteil ist, dass Bereiche der Teamarbeit nun erst beim Zugriff geladen werden. Im bisherigen Modell tauchte bei Benutzung des TFS immer eine „Eieruhr“ vor jedem Hauptzweig des Team Explorer auf, weil er Arbeitsaufgaben, Berichte, WorkItems usw. immer vorgeladen hat. Hat man nun, wie ich, einen immer sichtbaren Team Explorer, lädt jedes Team-Projekt super langsam vor. Viele sind daher dazu übergegangen, nicht direkt genutzte Teamprojekte nicht zu „abonnieren“. Das war eher lästig und ist nun nicht mehr notwendig, weil der neue Team Explorer beispielsweise WorkItems erst lädt, wenn man auf den entsprechenden Link klickt. Sehr gut!

Unit-Testing

Sehr angenehm ist mir auch noch der Test-Explorer sowie die Darstellung der Codeabedckung:

Abb. 13: Test-View

Hier versteckt sich erstmal nichts berauschend Neues, aber es passt einfach besser zu den Arbeitsabläufen. Die Tests laufen schön smooth im Hintergrund ab, das VS „zappelt“ nicht mehr wie wild herum und die die Darstellung ist erheblich übersichtlich (für mich).

Ausblick

Wer jetzt enttäuscht von diesem Artikel ist, der hat definitiv Recht. Aber das solls auch bei Weitem nicht gewesen sein. Ich wollte nur nicht verschiedene Dinge in einen Topf werfen. Dieser Artikel sollte nur denjenigen, die mal wieder keine Zeit haben, das neue VS anzutesten, ein paar Screenshots und einen Vorgeschmack liefern. Wesentliche weitere Features, die vor allem im Web- und MVC-Bereich mächtig zuschlagen werden, lagere ich in einen eigenen späteren Artikel aus. Einen Webcast versuche ich noch nachzuliefern.

Resumé

Das neue VS wurde sehr dezent aber wirkungsvoll angepasst, sodass es an vielen Stellen sehr viel ausgewogener als die Preview wirkt. Es ist selbst in der virtuellen Umgebung erholsam schnell, was nicht zuletzt den geschickten Tricksereien der Redmonder zu verdanken ist. Aber genau so will man es ja haben und macht es in eigenen Anwendungen (hoffentlich) auch. Sehr runde Sache, die Spaß auf mehr macht!

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